Stolz - Teil 1
Stolz [von: stolt = prächtig, stattlich, lat.: sultitia: "Torheit"] ist das Gefühl einer großen Zufriedenheit mit sich selbst, einer Hochachtung seiner selbst – sei es der eigenen Person, sei es in ihrem Zusammenhang mit einem hoch geachteten bzw. verehrten „Ganzen“. Laut Lexikon entspringt er der (subjektiven) Gewissheit, etwas Besonderes, Anerkennenswertes oder Zukunftsträchtiges geleistet zu haben oder daran mitzuwirken. Dabei kann der Maßstab, aus dem sich diese Gewissheit ableitet, sowohl innerhalb eines eigenen differenzierten Wertehorizonts herausgebildet als auch gesellschaftlich tradiert[1] sein. Im ersten Fall fühlt man sich selbst bestätigt und in seiner Weltanschauung bestärkt („Ich bin stolz auf mich“), im anderen Fall sonnt man sich in der gesellschaftlichen Anerkennung („Ich bin stolz, etwas für meine Stadt geleistet zu haben“). Ich gehe davon aus, dass jedem Christen bewusst ist, dass Stolz dem Herrn ein Greul ist. Gegensätzlich zu dem „sichtbaren“ Stolz gibt es allerdings noch den „unsichtbaren Stolz“ mit dem ich mich vornehmlich beschäftigen möchte. Doch zuvor schauen wir uns genau an, was der Herr über Stolz sagt:
„Wenn ihr mir aber auch dann noch nicht gehorcht, so will ich euch noch siebenmal mehr bestrafen um eurer Sünden willen, und ich will euren harten Stolz brechen. Ich will euch den Himmel machen wie Eisen und die Erde wie Erz, dass eure Kraft sich vergeblich verbraucht und euer Land seinen Ertrag nicht gibt und die Bäume des Landes ihre Früchte nicht bringen.“ (3. Mo 26, 18-20)
„Wer seinen Nächsten heimlich verleumdet, den will ich vertilgen; wer stolze Augen und ein hochmütiges Herz hat, den will ich nicht dulden.“ (Ps 101,5)
„Die Furcht des Herrn bedeutet, das Böse zu hassen; Stolz und Übermut, den Weg des Bösen und einen verkehrten Mund hasse ich.“ (Spr 8,13)
„Alle stolzen Herzen sind dem Herrn ein Greul, die Hand darauf — sie bleiben nicht ungestraft!“ (Spr 16,5)
„Und der Herr sprach: Weil die Töchter Zions[2] stolz geworden sind und mit emporgerecktem Hals einhergehen und herausfordernde Blicke werfen; weil sie trippelnd einherstolzieren und mit ihren Fußspangen klirren…“ (Jes 3,16)
„So spricht der Herr: Gerade so will ich den Stolz Judas und den Stolz Jerusalems, der sehr groß ist, verderben!“ (Jes 13,9)
„An jenem Tag brauchst du dich nicht mehr zu schämen wegen aller deiner Taten, mit denen du dich gegen mich vergangen hast; denn dann will ich die stolzen Prahler aus deiner Mitte hinweg tun, und du wirst dich künftig nicht mehr überheben auf meinem heiligen Berg.“ (Zef 3,11)
„…Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade[3].“ (1.Petr 5, 5)
Das Thema Stolz ist dem Herrn sehr wichtig. Denn vielleicht hast Du es nicht erwartet, aber der Stolz hatte seinen Ursprung direkt im Thronsaal bei Gott. Dort war neben den anderen Engeln und Gott nämlich noch einer [Luzifer], der speziell für die Anbetung zuständig war. Luzifer war vollkommen, aber an irgendeinem Punkt stellte ihn seine Position nicht mehr zufrieden. In diesem Moment setzte dessen Irrtum ein, dem auch einige Gemeinden anheim fallen. Ja, Du liest hier absolut richtig. Es sei hier beispielhaft bemerkt, dass wir in unseren Gottesdiensten vornehmlich unsere Gottesdienste anbeten und eben nicht Gott! Sei es das ach so wichtige „Programm“ oder die „Ordnung“, die es dem Geist Gottes fast unmöglich macht direkt in das Geschehen einzugreifen. Wir haben teilweise vorgeschriebene Predigten und feste Abläufe „vorinstalliert“. Mit diesem Credo[4] kann definitiv nichts schief gehen. „Und wenn dann auch noch Gott in unseren Versammlungen erscheint, dann war es ein Erfolg. Wenn nicht, dann haben wir ja noch unser Programm.“
Wir müssen endlich wach werden. Jesus klopft seit Jahrhunderten an unsere Türen. Alles was wir zu tun haben, ist IHM zu öffnen. Wir dürfen nicht länger aus Angst vor Kontrollverlust und Stolz unsere Versammlungen zum Götzendienst machen.
Neben diesem Aspekt des Stolzes gibt es noch andere Erscheinungsformen. Ich möchte einige Formen des Stolzes nur kurz anreißen.
[1] die Weitergabe (das Tradere) von Handlungsmustern und Überzeugungen.
[2] Die Gemeinde, also wir sind stolz geworden.
[3] Vgl. Spr 3,34; 3Mo 26,19; Hi 22,29; Jes 2,11
[4] lat. „Ich glaube“, v. credere = glauben