Das geschriebene Wort Gottes

Veröffentlicht auf von Einfache Gemeinde Regensburg

Uns muss klar sein, dass das Wort Gottes in seinem vollen Umfang vollkommen ist und ganzheitliche Gültigkeit besitzt. Leider übersehen wir nur allzu oft die Tatsache, dass das Wort „wenn“ eine absolute Bedingung darstellt. Wir müssen uns davon lösen anzunehmen, es ginge um das Wort „vielleicht“, „eventuell“ oder gar „manchmal“. Ich selber neige auch gern dazu einige Dinge in der Schrift zu übersehen. Doch es hilft nichts. Das Wort Gottes, die Bibel, ist und bleibt ein allsehender Spiegel. Sie ist oft unbequem, weil sie unsere Natur aufdeckt und unbestechlich ist. Doch zum Trost: Wen der Herr liebt, den züchtigt er[1]. Sonst wäre das ja gerade so, als würden wir unseren Kindern verschweigen, dass die Herdplatte heiß ist und sie sich verbrennen können.

Der Anspruch, die Schrift sei lebendig, ist untertrieben. Denn die Bibel[2], das Wort Gottes, lebt wahrlich. Denn Jesus lebt und ER ist das Wort[3]. Diese Tatsache müssen wir uns vor Augen halten. Wir können nicht meinen, dass einige Passagen für uns nicht gültig sind. Dies betrifft vor allem das Alte Testament. Oft wird die Argumentation „Wir leben nicht mehr unter dem Gesetz…“ ins Feld geführt. Doch scheinbar vergessen wir hier die Worte unseres Herrn:

 

„Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota [oder ein Strichlein] von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich der Himmel.“ (Mt 5,17-19; Rev.ELB)

 

Unser Herr Jesus sagt hier ganz klar, dass er das Gesetzt nicht auflöst sondern erfüllt. Dies sagt er, weil die Gebote gut sind und er nicht gegen das Wort des Vaters (also nicht gegen sich selbst) redet und lehrt. Stattdessen erfüllte er die Gebote, weil er in vollkommener Liebe wandelte. Ihm war klar, dass es für uns zu schwierig sei die Gebote zu halten, daher lehrte er auch das höchste Gebot [und die Goldene Regel][4]. Wenn wir aber in Jesus leben, so ist es uns möglich das Gesetz zu erfüllen. In der Praxis ist dies sicherlich von dem Grad abhängig, in dem wir uns in Jesus befinden:

 

„Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein;“ (Jer 31, 33)

 

Wichtig ist anzumerken, dass Jesus sagt: „…das Gesetz oder die Propheten…“(Vgl. Mt 5,17). Er bezieht sich also mit seiner Aussage auf das gesamte AT. Ich höre nur allzu oft die Antwort: „Ja, soll ich denn jetzt Brandopfer bringen?“. Ich denke nicht, dass wir hier weiter darauf eingehen müssen, was Jesus uns damit sagen wollte. Durch Jesus ist Versöhnung mit Gott möglich geworden (ein Halleluja zwischendurch!). Daher dürfte sich die Opferthematik erledigt haben. Ich stelle gewiss nicht den Anspruch eine allumfassende Theologie zu besitzen. Es ist aber eine unumstößliche Tatsache, dass das AT genauso Gültigkeit besitzt wie das NT. Ich würde mich sonst ernsthaft fragen, wieso daraus überhaupt noch gelehrt wird. Ich möchte  abschließend ein profanes Beispiel nennen:

 

Nehmen wir an, Du hättest einen Kaufvertrag mit mir über mein altes Auto gemacht. Wie im Vertrag festgeschrieben, bezahlst Du die vereinbarte Summe und bekommst von mir den Wagen. Nach Deiner Zahlung hast Du den Kaufvertrag also erfüllt UND er ist immer noch gültig. Denn wenn Du später verborgene Mängel an dem Fahrzeug feststellst, würdest Du dich sicherlich auf jenen Vertrag berufen. Stell Dir vor ich würde jetzt sagen: „Der Kaufvertrag hat seine Gültigkeit verloren als Du bezahlt hast, denn er ist erfüllt.“ Ich wäre in diesem Fall nicht nur vertragsbrüchig geworden sondern auch ein Lügner. Und Gott bricht definitiv keine Bündnisse und ist erst recht kein Lügner[5], wie wir wissen.

 

Oft erlebe ich, wie sich Geschwister über die Auslegung der Schrift streiten. Doch lesen wir die ernsthafte Mahnung des Apostels Paulus in seinem zweiten Brief an Timotheus:

 

„Ruf ihnen das ins Gedächtnis und beschwöre sie bei Gott, sich nicht um Worte zu streiten; das ist unnütz und führt die Zuhörer nur ins Verderben. Bemüh dich darum, dich vor Gott zu bewähren als ein Arbeiter, der sich nicht zu schämen braucht, als ein Mann, der offen und klar die wahre Lehre vertritt. Gottlosem Geschwätz geh aus dem Weg; solche Menschen geraten immer tiefer in die Gottlosigkeit und ihre Lehre wird um sich fressen wie ein Krebsgeschwür...“(2.Tim 2,14-17a; EU).

 

Es ist eine absolut klare Aussage, die uns der Herr hier durch Paulus wissen lässt. Interessant ist vor allem der Vergleich mit einem Krebsgeschwür. Solche Streitigkeiten unter Geschwistern wachsen genauso unkontrolliert und befallen nach und nach die Organe des Leibes. Letztendlich führt dies zum Tod des betreffenden Organes. Wenn es nach dem Feind ginge, wohl auch zum Tod des ganzen Leibes. Ich möchte daher folgende Aussage treffen: „Wenn Du solchen Streitigkeiten beiwohnst, dann ist dies eine absolut närrische Form des geistlichen Suizids!“. Jede angenehmere Formulierung trifft es noch nicht mal annähernd. Darum:

 

„Prüft alles, und behaltet das Gute!“ (1.Tess 5,21;HfA)

 

Praktiziert wird oft etwas anderes: „Prüft alles, und sobald ihr einen Fehler findet, kippt alles in den Müll. Beachtet nicht, was dieser Mensch an Gutem gesagt, geschrieben oder getan hat, verurteilt ihn und sein Werk aufs Äußerste. Redet nur über das Schlechte von ihm!“ (Wie es ein Bruder von mir so schön zu formulieren wusste).

 

Geistliches Prüfen heißt nicht gesetzlich prüfen. Der Schlüssel zu diesem so scheinbar komplexen Thema der Anwendung der Schrift ist wohl weniger kompliziert als vermutet. Was ist mit jenen von uns, die nicht in den Genuss eines ausführlichen theologischen Studiums kommen? Sind diese zur Unwissenheit verdammt und dazu niemals prüfen zu können? Der Herr Jesus Christus lässt uns wissen, dass das Reich Gottes für Kinder gemacht ist[6]! Verstehst Du? Für Kinder! Und genauso schwierig ist es auch mit dem Prüfen. Wir dürfen bereit sein, uns in die gleiche Abhängigkeit von Gott wie Adam vor dem Sündenfall zu begeben. Adam hat keine Ahnung davon, was „gut“ oder „böse“ war. Er musste diesbezüglich jedesmal Gott direkt fragen. Heute Allerdings ist es völlig anders. Auf Grund unserer Theologie ermächtigen wir uns plötzlich zu entscheiden was „richtig“ und was „falsch“ ist. Doch erinnere Dich: Wer hat uns in die Lage gebracht, diese Entscheidung zu treffen? Es war der Satan. Erst als wir von der Frucht des Baumes der Erkenntnis gegessen hatten, wurden unsere Augen aufgetan. Deshalb bewerten wir auch meistens ohne Gott darüber was gut ist. Tatsache ist, dass wir diese Eigenschaft durch die tödliche Frucht errungen haben. Gott sagte uns nicht ohne Grund, dass diese Frucht unser Tod sein würde. Wenn wir also die Dinge gesetzlich bewerten anstatt geistlich, wird die Folge dessen immer todbringend sein. Der Weg des „richtigen“ Prüfens ist daher sehr schmal. Dank unseres Hirten Jesus aber durchaus zu bewerkstelligen. Das Prüfen aus eigener Kraft ist somit eine Frucht des Teufels. Paulus formuliert es im 1.Kor 15,56b folgendermaßen: „Die Kraft der Sünde ist das Gesetz. Interessant ist, was Paulus uns weiter wissen lässt: er bezeichnet diesen Dienst, als „Dienst, der zum Tode führt.“ (2. Kor 7,7-9). Wir können also davon sprechen, dass der Baum der Erkenntnis auch das Gesetz ist. Dies war einer der Gründe weshalb uns Jesu auch den Heiligen Geist schickte. Denn es ist der Heilige Geist, der uns in die Wahrheit führt. Nicht wir selbst mit der Schrift in der Hand!



[1] Vgl. Hebr 12,6

[2] Vgl. 2.Tim 3,16

[3] Vgl. Joh 1,1-14

[4] Vgl. Mt 7,12; 22,34-40; Mk12,28-34; Joh 13,34-35; 15,9-17

[5] Vgl. 5. Mo 32,4; Ps 93,5; Röm 3,4; Jer 10,10

[6] Vgl. Mk 10,14; Lk 18,16

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