Weihnachten.
Dieses Fest wird bei uns jedesmal den 25sten Dezember zum Andenken der Geburt Jesu gefeiert. Wir finden von der Feier dieses Festes schon im vierten Jahrhunderte Spuren. Unstreitig ist dieses Fest an die Stelle des Festes gekommen, welches die Römer dem Saturn zu Ehren feierten, und welches Saturnalia hieß. Diese Saturnalien wurden bei den Römern 7 Tage mit aller möglichen Üppigkeit und Ausschweifung gefeiert. Es war gleichsam das Fest der Freiheit und der Gleichheit, an welchem Sklave aufhörte Sklave, und die Herren aufhörten, Herren zu sein. Der Sklave saß am Tische und ließ sich von seinem Herrn bedienen. Den 19ten Dezember wurden des Morgens früh in dem Tempel des Saturns eine Menge Wachskerzen angezündet, und mit dieser Zeremonie das Fest eröffnet. Durch die Entzündung der Wachskerzen wollten sie den Saturn versöhnen, welchem sie sonst Menschenopfer gebracht hatten. An diesem Tage schickten die Römer einander allerlei Geschenke, unter welchen auch kleine Bilder waren, welche unstreitig eine Beziehung auf die ehemaligen Menschenopfer haben sollten. Die Christen wollten die Feier dieser Saturnalien, welche selbst noch von Christen gefeiert wurden, verdrängen, und ordneten ein Fest zum Andenken der Geburt Christi an. Sie mussten desto eher auf diesen Gedanken geleitet werden, da die Saturnalien ein Fest der Freiheit und der Gleichheit waren, wo aller Unterschied der Stände aufhörte, wo sogar eine umgekehrte Ordnung der Dinge herrschte. Der Herr war Knecht und der Knecht war Herr. Christus, der König der Könige, war in der Gestalt eines Knechts gekommen, und hatte diejenigen, die Sklave ihrer Sünde waren, zu Herren und Königen erhoben. Kurz man setzte das Fest ein, und behielt, um doch auch etwas Sinnliches dabei zu haben, viele unschädliche Gebräuche der Heiden bei, und gab ihnen eine gewisse Beziehung auf christliche Begriffe. Die Wachskerzen, welche man in dem Tempel des Saturns anzündete, zündete man auch in den christlichen Tempeln an; und da sollten sie eine bildliche Vorstellung von Christo, dem ewigen Lichte, sein, welches in die Welt gekommen, alle Menschen zu erleuchten. Die an den Saturnalien übliche Gewohnheit, einander Geschenke zu schicken, behielt man gleichfalls bei. Sie sollten an die geistlichen und himmlischen Güter erinnern, welche Christus durch seine Geburt dem Menschengeschlechte vom Himmel gebracht hatte. Eine besondere Sitte, die in vielen Ländern, besonders in England, noch bis jetzt üblich ist, bestätigt den Ursprung des Weihnachtsfestes von den Saturnalien noch mehr: Man pflegt in den Weihnachtstagen unter den Knechten eines Hauses einen zum Herrn des Hauses zu erwählen, den man den Weihnachtskönig nennt, und der über die übrigen Knechte sowohl, als über die Herren diese Tage hindurch eine Art von Herrschaft ausübt.